Samstag, Mai 31, 2008
Was hörn’ die eigentlich, die PnG’s? Was läuft hinter zugezogenen Vorhängen, womit werden die Nachbarn spät nachts belästigt? Kurz: was thront im Plattenschrank der Redaktion, auf dem unübersichtlichen Berg aus Promomüll? Einen ersten Querschnitt liefert Euch unser allererster PnG-Mix, welcher in diesen Tagen bei Byte.FM über den Sender gehen wird. Genauer gesagt in der Nacht vom 2. auf den 3. Juni ab Mitternacht. Außerdem planen wir ein Porträt von Byte.FM, sowie ein Interview mit Macher Ruben Jonas Schnell.
(Continued)
Dienstag, Mai 27, 2008
Die Nachricht wurde erst jetzt zur Kenntnis genommen und die Zeit drängt, also machen wir es kurz: Björn Bauermeister, dem ein oder anderen bekannt als Trommler von Sometree und Gelegenheits-Persona non Grata-Schreiber, hat ein Soloprojekt. Das nennt sich Glass And Fishes und ist als ein ruhigerer, weil alleinerer (… äh) Gegenpol zu Sometree zu verstehen. Wie der Zufall es wollte, kann Björn seine bisherigen Ergebnisse derzeit auf Tour mit Òlafur Arnalds beweisen, und da die heute in Leipzig beginnt, will ich gar nicht weiter faseln, sondern Euch mit der dringenden Empfehlung, das nicht zu verpassen, auf die Termine hinweisen.
27.05.2008 Leipzig, Moritzbastei
28.05.2008 Magdeburg, Moritzhof
29.05.2008 Hamburg, Knust
30.05.2008 Halle, Objekt 5 (+ Get Well Soon)
31.05.2008 Osnabrück, Glanz & Gloria
01.06.2008 Utrecht, Ekko
** MySpace-Seite
Montag, Mai 26, 2008

Die Bubacks, aus der Hamburger Label-WG, hatten selbst auch noch so allerlei zu erzählen zu ihrer Arbeit. Deswegen schlugen sie selbst ein Interview, ergänzend zum Label-Portrait, vor. Die Zeit aber raste, es kam es zu keinem Treffen, und dieser kleine Fragenkatalog hier konnte erst nach Redaktionsschluß fertiggestellt werden. Der sperrige Charakter der Fragen und Antworten muß in Kauf genommen werden, er ist der online-Methode geschuldet. Ihr müßt Euch jeweils denken, wie ich auf Antworten wie, “Komischerweise lässt ja die von dir genannte „Kulturschiene“, also z.B. das Theater, wesentlich mehr Kunst und Kontroversen zu als die meisten Pop-Plattformen”, reagiert hätte. (Ich möchte verraten, ich habe in dem Fall eine ganz konträre Einschätzung).
(Continued)
Samstag, Mai 24, 2008
Für die wirklich guten Dinge zahlt man häufig einen hohen Preis. Im Falle des ersten (Pop Up Abends hieß das im Klartext: wer zu Jake the Rapper will, muss erstmal an Bullmeister vorbei. Die waren extra aus dem 500 km entfernten Mannheim angereist, wie sie mehrfach betonten, doch für wen, das erschloss sich bis zum dankbaren Ende ihrer Darbietung niemandem.
(Continued)
Donnerstag, Mai 22, 2008
Ein beachtliches Rahmenprogramm haben die Organisatoren der (Pop Up Messe in Leipzig auch in diesem Jahr aufgezogen, für den Messe-Tag, die vielen Diskussionsforen, die bereits festgeschriebene Tradition freundschaftlichen In-den-Armen-Liegens derer, die in diesem Lande - Vorsicht, gut gemeinte Untertreibungsfalle! - eher für die Musik als von der Musik leben wollen.
Unter den beinahe unüberschaubar vielfältigen Veranstaltungen, die zwischen Donnerstag und Sonntag in Leipzig über die Bühnen gehen, möchten wir an dieser Stelle vor allem auf jene verweisen, die wir unter eigenem Namen präsentieren. Es ist (Pop Up Tradition – ungeschrieben, aber irgendwie dann doch immer so – dass Persona Non Grata das erste Livekonzert des laaaangen Wochenendes präsentiert: es ist wieder an diesem Donnerstag, in der Nato, dass das gute, gemeinschaftliche Gefühl der nächsten Tage offiziell angezapft wird.
(Continued)
Donnerstag, Mai 22, 2008
Hallo Misere! Wir balancieren hier auf einem ganz schmalen Grat. Akrobaten. Künstler. Äffchen. Mach noch einen Salto, noch einen Spagat, für ein paar Groschen. Sie sagen: Spring! Und wir fragen: Wie hoch? Keine Frage, es geht uns allen dreckig. Das Elend, über das wir balancieren, steht anderen bis zum Hals. Das bisschen Zerstreuung darf man denen wünschen. Wir tanzen gerne, für die Letzten, die noch applaudieren. Bekommt ihr die Hände noch in die Höhe? Aus dem Elend, das euch an den Armen klebt, schwarz und schwer wie Teer! Steigt übereinander, Zehennägel schälen Augäpfel, Fersen drücken Zähne aus den Kiefern! Überleben heißt rücksichtslos durchtreten. Kill your friends. Wenn sie dir nicht glauben, dass du den scheißverdammten Gral in deinen Händen hältst.
Dies ist ein Editorial. Monatelange Arbeit kondensiert auf ein paar Schlagworte. Protzen, protzen, protzen … voller Zuversicht, mit Überzeugungskraft, alles zusammenraffen und ganz wichtig pointieren. Pathos wie ein Fackelfeuer zünden. Dies ist unsere 75. Ausgabe. Und wir haben alles richtig gemacht. In unserem Alter macht man keine Fehler. Man hat für alles einen Plan. Alles hat System, und wenn du uns nicht verstehst, dann bist nur du selbst Schuld daran. So zünftig muss das klingen, denn dies ist ein Editorial, der Vorhang auf für ein paar Lettern, die die Welt bedeuten wollen, die nette Märchenstunde von Unabhängigkeit und Selbermachen, von Zusammenhalt und hehren Zielen. Hier muss man sich ganz wichtig nehmen. Also nochmal, damit es sitzt: Dies ist unsere 75. Ausgabe. Dies ist das Editorial. Wir machen dich glauben, damit fängt es an. Aber mal ehrlich: Wir leben nicht mehr, wir träumen schon. Nur so kann ein Heft wie dieses werden. Aber keine Melancholien. Dies ist ein Editorial. Ordentlich Schaumschlagen. Protzen. Protzen. Protzen. Und immer auf zuversichtlich machen.
(Continued)
Donnerstag, Mai 22, 2008
„Wir waren alle allein. Wir hatten alle sehr ähnliche Probleme. Dabei kannten wir uns schon seit Jahren“, erklärt es Jan Clausen beinahe zur historisch materialistischen Konsequenz, dass sich die Hamburger Labels Audiolith, Affairs of the Heart, Buback, BB*Island, Crunchy Frog, Devilduck und Stickman hinter der von ihm lancierten Idee der Label-WG zusammentaten. Dieses Projekt hat eine feste Adresse nur im Internet, und die Bewohner achten pingelig genau darauf, dass die beeindruckend variierenden Ausprägungen ihrer Labels nicht im kommunalen Sog abgerieben werden und hinter einem vereinnahmenden Logo gar verschwinden. Die Label-WG ist ein Weg zur Förderung grandioser Eigenheiten. Schon in den nächsten Wochen hat man allerhand Gelegenheit, sich dessen auch jenseits virtueller Rückzugswelten selbst zu vergewissern. Da ist natürlich die neue Persona Non Grata mit einem 30-seitigen Special zu Idee, den einzelnen Labels und deren Künstlern und einer ihren Speicherplatz voll ausschöpfenden CD. Und wenn – mittenmang eines langen Label-WG-Konzertwochenendes (Termine unten) – am kommenden Samstag, also am 10.05., die Gründung der Label-WG in der Hamburger Plattenladen-Institution Michelle Records offiziell befeiert wird, dann sind auch wir natürlich zahlreich zugegen. Selbstverständlich präsentiert Persona Non Grata zudem das kleine Label-WG-Festival im Rahmen der (Pop Up Messe in Leipzig. Am 23.05. stehen hier Siva, Bratze, Krink und Joensuu 1685 auf der Bühne. (Continued)
Donnerstag, Mai 22, 2008
Die Umwege, die für dieses Album gegangen wurden, sind schon beeindruckend. Und diese Mühe, die wollen wohl was heißen. Hier landet eine englischstämmige Wahl-New Yorkerin auf dem dänische Label der Band Efterklang. Vielleicht lag es an den unwiderstehlichen introspektiven Songs, der sparsamen und trotzdem raumbildenden Begleitung. Oft nur Klavier, Streicher, ein paar Bläser und ein paar zusätzliche Stimmen. Die weniger nervige Ausformung des Freak-Folk, möchte man ausrufen. Oder ist doch einfach die klassische Singer-/Songwriterkunst? Die Folkwurzeln ließen sich wohl schwer verleugnen. Ein glücklicher Zufall führte Frau Jain mit Patrick Glynn zusammen, seither ihr musikalischer Partner und Vervollständigung. Bei den Aufnahmen zum Debüt kam nur noch Percussionist Jim White (Dirty Three, Will Oldham, Nina Nastasia) hinzu. Die Stücke wurden hauptsächlich in ihrem Apartment aufgenommen, vielleicht eine kleine Erklärung für das hohe Maß an Intimität, das den Liedern innewohnt. Ein kuscheliges, verträumtes Album voll wohltuender Wärme. (The Leaf Label/Indigo) (Continued)
Dienstag, Mai 20, 2008

Wenn es nur darum gegangen wäre uns zu zeigen, dass er einen von den wirklich Guten ist, wäre dieser Aufwand nicht notwendig gewesen: Schon allein durch das Wirken mit seiner Hauptband Todd ist mir Craig Clouse trefflich ans Herz gewachsen. Sei es nur durch die Entäußerung via des Tonträgers Purity Pledge, mit der freundlicherweise der Noise Rock wieder auf die Landkarte der allgemein wahrgenommenen Musikstile gehoben wurde (auch wenn ich mal sage, aufrechte Menschen haben ihn niemals von der ganz persönlichen verbannt) da beißt die Maus keinen Faden ab, wie ein längst vergessener Mathematiklehrer in einem Anflug eines irgendwie beinahe dadaistischen Humors zu sagen pflegte. Und man erinnert sich immer wieder gerne daran, wie er mit eben diesen Todd aus dem Pop Up-Anlass eine Schneise der Destruktion in die wohlgeordneten Verhältnisse eines Leipziger Studentenclubs schlug. Aber es geht hier ja um viel mehr als einfach nur darum, die Sympathieskala für Noise Rock in lange Zeit ungekannte Höhen ausschlagen zu lassen. Dieser Craig Clouse ist ein Typ mit Ideen, mit Vorstellungen und mit ach, es wird einem beinahe übel, ein solch ausgelutschtes und sinnentleertes Wort nutzen zu müssen, aber irgendwie gibt es kein anderes, das wirklich passen würde Visionen. Mit musikalischen Visionen. Mit Visionen, was man aus dem Prinzip Noise Rock bei der Transformierung in absolute Grenzbereiche möglicherweise machen kann. Und so hat er das an Wahnwitz und Überdrehtheit nun wahrlich nicht arme Genre um ein weiteres vollkommen irrwitziges Projekt erweitert: Shit And Shine. Die Formel ist so einfach wie konsequent: Die Reduzierung des eigentlichen musikalischen Outputs auf ein einziges Riff bei einer gleichzeitigen Maximalisierung der Umsetzung. One riff one song a lot of musicians. Wie simpel es doch manchmal sein kann. (Continued)
Samstag, Mai 17, 2008

Was war denn gestern, du wolltest doch Fotos machen. Ich hab nur das Handybild von dem Typen aus der Vorband, der zwei Saxophone gleichzeitig spielte. Weiß gar nicht, war dann später noch wer auf der Bühne? Diese Mädchen mit den Geigen, klar, und der Freak mit den schwarzen Locken. Thee Silver Mount Zion? Erinnere ich mich nicht dran. Was sollen die denn für Musik gemacht haben?
(Continued)
Donnerstag, Mai 15, 2008
Gus van Sant ist wieder mittendrin in der Jugendkultur. Im Gegensatz zu anderen, die auf die Teenagerwelt schauen und vergeblich versuchen, sie zu verstehen, geben einem seine Filme immer das Gefühl, teilzuhaben an den Gedanken, Zweifeln, Ängsten eines Heranwachsenden. Wesentlicher Bestandteil war bei seiner Analyse immer das Umfeld, die Freizeit seiner Protagonisten. Es wirkt dabei fast so, als filme er sie unbemerkt in ihrem Alltag. So als wäre es vielmehr eine Dokumentation, die wir betrachten, als Fiktion. In „My Own Private Idaho“ zeigt er frei von Vorurteilen Stricher bei der Arbeit. In „Elephant“ spielen Kids Computerspiele, quatschen, essen, trinken, brechen, lachen, weinen, küssen lange bevor ein paar von ihnen die Insassen einer ganzen Schule hinrichten. „Last Days“ treibt das Konzept, Nebensächliches in den Vordergrund zu stellen auf die Spitze, indem van Sant die Tage vor Kurt Cobains Tod zu rekonstruieren versucht – und in denen passiert einfach nichts nennenswert Aufregendes. Trotzdem gelingt ihm eine inszenatorisch Dichte, die bis zum Schluss fasziniert – eben nicht wegen eines plakativen Voyeurismus und dem Vergnügen am Schicksal anderer. (Continued)
Mittwoch, Mai 14, 2008
Sehr abgelegenes Gebiet. Den Brief hatte ich zunächst nur vorläufig vor mich hin gemurmelt um ihn zu speichern. Innere Zone, abgeknickte Äste ragten bis in die Fahrerzelle. Nicht einmal fürs Abkoppeln reichte die Zeit. Die ganze Nacht hindurch hatte ich mit einer Freundin die im Ferienlager herumliegenden Abfälle nach dem weggeworfenen Ausdruck durchsucht. Es hat andererseits auch schon deutlich schwächer lumineszierende Morgen gegeben, sagte ich, trank aber weder Kaffee noch Tee. Später erinnerte ich mich an jenes Frühstück wie an eine hartnäckige Melodie im Hinterkopf. Darauf kniete ich nieder und sprach ein wenig auf bigger und modern-aufgebraist, künstlich, fast maschinell. (Continued)
Sonntag, Mai 11, 2008
So ungreifbar und lang wie der Titel des Albums sind auch die Stücke darauf. Endlose Klangteppiche aus anschmiegsamem Angora. Musik für den Hintergrund, eine Klangtapete, die sich nicht aufdrängt, ohne die es aber nackt wirken würde im beschaulichen Heim. Der Wiener Lars Stigler ist sonst bei Mimi Secue zu finden, deren hübsches Werk „Naila“ ich ja vor einigen Ausgaben vorgestellt hatte. Auf seinen Solopfaden fehlen deren Songstrukturen gänzlich. Auch Stiglers Tonträger Nummer zwei ist schwebend und schwarz. Ambient im reinen Sinne. Die Sounds fühlen sich in nächtlichen Stunden am wohlsten. Die Atmosphäre nimmt gefangen und kettet für 70 Minuten mit Bleigewichten ans Sofa. Dann geht die Sonne auf, der Nebel lichtet sich und wir reiben uns den Traum aus den Ohren. Ein Album, das wunderbar betrunken macht. (Karate Joe)
* Karate Joe
* MySpace
Samstag, Mai 10, 2008
Nicht wenige Bands da draußen nehmen für sich in Anspruch politisch, unabhängig und kompromisslos zu sein. Leider sind dies dann doch nur die wenigsten und obendrein kommen proklamierten Anspruch und musikalische Fähigkeiten nur selten zusammen. Eine angenehme Ausnahme sind Lack, spätestens seit ihrem zweiten Album „Be There Pulse“ von 2005. Hardcore-Aggressivität gepaart mit Noise-Elementen und auch das eine oder andere Rock-Riff wird nicht verschmäht. Mitreißenden Melodien formen sich dennoch ständig heraus. Der an sich selbst gestellte Anspruch: Konzentration auf das Wesentliche, kein Zierrat, kein Ballast wird nicht nur im Titel, einem Virginia Wolf-Zitat, proklamiert, sondern auch mit den 13 Titeln eindrucksvoll untersetzt. Abwechslungsreich, auch ruhige Töne, doch ohne die Zügel zu lockern. Einen kleinen Ruck Richtung Rock könnte man hinein interpretieren, aber wo verläuft die Grenzlinie denn eigentlich genau? Die Jungs aus Dänemark setzten bei den Aufnahmen ausschließlich auf sich und ihre Freunde, Labelmate Per Chnöeld von Menfolk produzierte und beim Mastering sorgte Bob Weston für den letzten Feinschliff. Bekannt ist er nicht nur durch seine Mitgliedschaft bei Shellac, sondern auch durch seine Arbeit mit Sebadoh, Wilco und Tortoise. Wer von seiner Lust ab hart geschlagenem Schlagzeug und beherzt gezupften Saiten nicht lassen will, sollte Lack mal ein Ohr leihen. (Play/Rec/Cargo)
(Continued)
Mittwoch, Mai 7, 2008
Dem Problembären, den Mars Volta den Kollegen aufgebunden hatte, wollen wir mal nicht nachjagen. Die neuen Stücke soll ihnen ein altes Geisterbrett diktiert haben. Soso, aha, ja ja. Dass die Herren Bixler und Rodriguez schon immer leicht einen an der Klatsche hatten, hervorgerufen durch exzessiven Drogenkonsum und persönliche Dämonen, war ja klar. Das sie dann doch irgendwie geniale Bastarde sind, aber auch. So ergänzt sich auch hier wieder Bixlers Organ und textliche Phantasterei im Fieberwahn mit Rodriguez fingerqualmender Gitarrenvirtuosität. Im Fall vom mittlerweile vierten Werk summiert sich das endlich wieder auf hörbares Niveau. (Continued)
Montag, Mai 5, 2008

Am 16. und 17. Mai 2008 veranstalten Altin Village & Mine (Label und Versandhandel) ein kleines hauseigenes Festival im schönen Dresden. Gefeiert wird “nicht nur das siebenjährige Bestehen, Omas 70ster, Hansis Jugendweihe und Weihnachten” (sic!), nein, der Tag soll auch einen Anlass bieten, so viele Mitglieder der Labelfamilie wie möglich mit ihrem Publikum zusammenzuführen, Kontakte zu pflegen und sich zu versichern, dass man das alles nicht umsonst macht und dass da draußen ein Publikum ist, welches auf genau diese Musik wartet. Also aufgemerkt und die Hühner gesattelt! Den kleinen Ausritt gen Dresden rechtfertigt natürlich vor allem das feine Line-up. Hier sind natürlich zahlreich die Bands aus dem eigenen Stall (Wiiiher!!) vertreten (Julith Krishun, Radio Burroughs, Shokei, Kids Explode, Petethepiratesquid, The Falcon Five, Patterns, Bollo…), aber auch Freunde und Weggefährten (Diario, Tapes). Startete das Label noch eindeutig im Emo und Harcore verwurzelt, sind solche musikalische Begrenzungen mittlerweile Geschichte und Postrock, Postpunk, Indie, Instrumental und selbst süßer Pop sind im mittlerweile auf über 20 Veröffentlichungen angewachsenen Katalog zu finden. Da geht so einiges und obendrein kann man sich einen Eindruck davon holen, dass im D.I.Y.-Bereich hierzulande doch so einiges geht, auch über Mauern und andere provinzielle Beschränkungen hinweg. International wird es Dank Den Of Thieves aus New York und für den kulturpolitischen Überbau sorgt Martin Büsser mit einem Vortrag zum Thema „D.I.Y“.
Und äääh, alles bereitwillig präsentiert von Persona Non Grata, denn wo sich Leute freiwillig für ihre musikalische Gesinnung selbst ausbeuten, können wir nur den Hut ziehen. Es lebe die Familie! (Continued)
Sonntag, Mai 4, 2008
Gestartet wird mit Kastratenchor und einer Gitarrenwalze, die alles unter sich begräbt. Weiter geht’s auf einem Mitzählreim, der sich zur wütenden Hymne aufschwingt. An Dramatik lassen es The Mae Shi nicht fehlen. Punktgenau die Einsätze trotz gepflegter Anything-Goes-Erscheinung, rotzig, wütend, elektrisierend. In der zweiten Hälfte des Albums wirft das Füllhorn noch Acid-House, Hippiechöre, rootsige Hardrockriffs und jeden Menge punkiges Geschepper aus. (Continued)
Samstag, Mai 3, 2008
Kollege Ehrgeiz kann manchmal ziemlich hinterhältig sein. Eigentlich will man ja nur das Beste und gibt sich alle Mühe; doch der Grat zwischen angemessenem Eifer und übertriebenen Ambitionen ist schmal, so dass zuviel Übermut schnell in die Hose gehen kann. Genau diesen Fehler haben auch Jazzwang Zoo begangen, deren Album per se ein possierliches Indierock-Album mit guten Absichten hätte werden können, das stellenweise positiv an die seligen Soulmate erinnern lässt. Allerdings haben sie sich ein paar mal zu oft selbst ein Bein gestellt, indem sie die Gitarren und Rhythmuselemente zu sehr durchdrehen lassen, so dass man mit Schaudern zu Vergleichen zu so furchtbaren Dingen wie System Of A Down gezwungen ist. Dass eine angezogene Handbremse eigentlich so gar nicht Rock’n'Roll ist, ist mir schon klar - in diesem Fall wäre sie aber vermutlich nützlich gewesen.
(Eigenvertrieb, www.jazzwangzoo.de)
Freitag, Mai 2, 2008
Man könnte müde werden, sich desinteressiert abwenden oder schlicht kapitulieren bei dem Output, den Jazzanova an den Tag legen. Geht aber nicht, wenn man sich ernsthaft für neue Musik aus der modernen Jazzecke interessiert. Das Berliner Kollektiv erweist sich einfach immer wieder als formidables Trüffelschwein, wenn es um das Aufspüren neuen Vinyls geht. Dabei sind die Eckpfeiler immer die Selben: klassische Jazz-Arrangements im akustischen Bandstil treffen auf clubtaugliche Produzentenarbeit und loungeigen Brazilectro. Leicht verdaulich, nicht zu schwer und experimentell, es geht hier auch nicht darum, das Rad neu zu erfinden, vielmehr den angestaubten Jazz in die Neuzeit zu tragen. Da hier die Zahnräder ganz hervorragend ineinander greifen, sind die meisten der Künstler dann auch auf dem Heimlabel Sonar zu finden. So wirkt eine feine Compilation wie diese gleich auch hervorragend als Visitenkarte für den Mutterkonzern. Das mag kommerziell abgeschmackt wirken, ist bei vorliegender Qualität aber durchaus erlaubt, wenn nicht sogar willkommen. (Sonar) (Continued)